„Fortschritt“/Liste 2010

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Später arbeitete ich in Schichten bei der Inbetriebnahme und Tests von DDR Großrechnern EC1040 bei ROBOTRON in Dresden Gruna. Diese EC1040 liefen aufgrund der höheren Bitbreite mehrfach schneller als die IBM360, was russische Kunden sehr in Erstaunen versetzte.
Ich wurde gefragt, ob ich bereit wäre, zum Robotron Kundendienst für den EC1040 nach Berlin umzuziehen.
Ich überlegte nicht lange und begann im August 1974 die Arbeit in Berlin. wo meine Erfahrungen beim Hauptspeicher des EC1040 waren gefragt.
Berlin! Das war schon etwas anderes als Dresden, das „Tal der Ahnungslosen“, wo man kein „Westfernsehn“ empfangen konnte.

Oft musste ich auf Ausstellungen den Speicher erklären, bei dem jedes Bit durch einen winzigen Ferrit-Ringkern realisiert war, durch den 3 Drähte gefädelt waren, zwei für die x- und y- Auswahl und einer für Scheiben und Lesen. Es gab bis zu vier riesige Blöcke, wobei jeder 256000 Kerne = 256 KByte enthielt, maximal 1 MByte.
Schaltete ein Kern schlecht, musste ich durch Umlöten einen Ersatzkern ansteuern lassen.
Die gesamte Elektronik war in 4 riesigen Schränken mit Chip -bestückten Leiterplatten untergebracht, die aber nicht gezeigt werden durften, denn die vorgeblichen DDR – Halbleiter – Chips waren von Texas Instruments. Diese Beschriftung war abgeäzt worden.

Meine Frau Beate hatte 1976 die Arbeit in der Ökonomieabteilung des VEB Herrenbekleidung „Fortschritt“ aufgenommen und erzählte von mir von der monatlichen „Katastrophe“ der Lohnabrechnung, die auf veralteten, reparaturbedürftigen Lochkarten – Maschinen durchgeführt wurde. Die gelochten Karten wurden sortiert, gelesen und einer Berechnung unterzogen, wobei wegen zerrissener Karten oft angehalten werden musste.

So bot ich an, ein Programm in PL1 für die Lohnabrechnung auf einem EC1040 zu schreiben. Beate hatte dazu handschriftlich übersichtliche Formulare ausgearbeitet, u.a. eine „Liste 2010“.

So bekam ich im Oktober 1978 den Auftrag. Wir, Angelika Radtke, Manfred Busse und ich führten Tests und und die eigentliche Lohnrechnung nächtlich bei Nicht-Auslastungen des EC1040 bei Energiewirtschaft BEWAG durch, währenddessen die angestellten Operators „Kaffee“ tranken. In der Kanne befanden sich aber Cola und Wodka, dessen Wirkung sich nicht verheimlichen ließ!
Tagsüber verbesserten und optimierten wir das PL1 – Programm. Teilweise halfen wir auch beim Herstellen (Lochen) der Arbeits-Lochkarten und schleppten nachts die schweren Lochkartenkästen zur BEWAG. Eine anstrengende Zeit!

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