Caritas/Z80

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Ungewöhnlich war in der DDR – Zeit eine „Westreise“ vor dem Rentenalter, aber ein Lehrgang in München machte es möglich. Dort sah ich in Zeitschriften Reklame für die ersten Personalcomputer (PC). Z80 war der Mikroprozessor. Ich besorgte mir eine Platine für den Z80, einen Speicherchip (EPROM) und weitere Elektronik-Chips für den Anschluss eines Fernsehers als Bildschirm und einer Tastatur. Die gesamte Elektronik war selbst auf die Platine zu löten. Nach langer Zeit und vielem Nachlöten einzelner Kontakte (per Lupe) erschien plötzlich ein Bild auf dem Fernseher. Unglaublich für mich! Die auch selbst gelötete Tastatur ist noch vorhanden:

Aber sie bewirkte erst einmal nichts, denn der „PC“ hatte ja kein Programm. Ein Diskettenlaufwerk für ein System war für mich unerschwinglich. So musste ich ein Programm aus Maschinenbefehlen für den Z80 Bit für Bit in das EPROM speichern. Dazu bastelte ich mir ein Gerät aus 16 Adress-Schaltern und 8 für die Bits eines Bytes und einem Knopf fürs Speichern des mit den 8 Schaltern eingestellten Bytes.

Es dauerte Stunden, ehe ein winziges Programm eingespeichert war. Wie bei jedem Programm machte ich dabei Fehler. So musste ich das gesamte Programm wieder löschen und von vorn beginnen. Das Löschen erfolgte über das Fensterchen des EPROMS mit UV – Licht. Dazu verwendete ich die Höhensonne von Beate. Nach Monaten hatte ich ein Progrämmchen zustande gebracht, das die Eingabe von Zahlen über die Tastatur und die Grundrechenarten ermöglichte. Das Ergebnis erschien auf dem Fernseher.
Diese (kaum sinnvoll verwendbare) Lösung demonstrierte ich begeistert dem Ostberliner Caritasdirektor Puschmann. Da dieser ebenso wie der Erzbischof die Berliner Mauer nach West-Berlin passieren durfte, bat ich ihn, die nötigen Zusatzgeräte wie Laufwerke und Drucker über die Caritas in West-Berlin zu besorgen, um PC-Rechentechnik bei der Ost- Berliner Caritas einführen zu können.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zilog_Z80

Über dieses Ansinnen schüttelte man bei der Caritas in West-Berlin nur den Kopf… Aber schließlich bekam ich einen kompletten PC, um Programme mit dem Microsoft – Programm BASIC und später mit DBASE zu entwickeln. Eine Monate- und Jahre-lange Schufterei neben meiner Arbeit bei VEB Fortschritt begann. Sicher hätte es im Westen geeignete PC – Programme gegeben, aber man ging davon aus, dass sie für den Osten nicht geeignet wären.

Weitere PC für die Caritas mussten über den DDR Außenhandel mit Zollgebühren „eingeführt“ werden, die je PC nicht viel weniger als 100.000 DDR Mark kosteten.

Inzwischen war die Assyst – GSZ – Anlage gegen eine der Firma Investronica aus Spanien ausgetauscht worden. Der genaue Grund ist mir nicht erklärlich. Möglicherweise spielte die Umgehung eines Embargos für Westcomputer eine Rolle. Ich hatte ein entsprechendes Telefonat zufällig gehört.

Für mich war günstig, dass auch PC für die Dateneingabe dabei waren, sodass ich einen Teil der Arbeiten für die Caritas auf diesen PC erledigen konnte und später dann die Programmierung von autocons mit den Konstruktionen von Alfred Thoms.

In Berlin – Neuenhagen befand sich zur DDR Zeit das Caritas – Baulager, das kirchliche Bau- und Reparaturvorhaben unterstützte. Für die Lagerverwaltung programmierte ich mein erstes Projekt mit der Datenbanksoftware DBASE, die leider anfänglich noch öfter abstürzte, so dass ich oft nach Neuenhagen fahren musste. Der Leiter, Herr Benke, zeigte sich erkenntlich, indem er zum Beispiel den Mantel für einen Töpferofen meiner Frau anfertigen ließ oder mal ein Ersatzteil für mein Auto besorgte, an das man im Handel nicht heran kam („Ham wa nich – hättn wa selbst jerne“)

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geändert 2026_0606